Freitag, 15. April 2016

Reite so wie es dir gefällt - Klassikreiter

Es gibt so gut wie keine Reitweise mehr, die in der kompetenten Fach-Community namens Facebook noch Bestand hat.
Dressur ist der Erfinder der Rollkur.
Im Springen werden die Pferde über zu hohe Hindernisse geprügelt/gebarrt.
Die einst so pferdefreundlichen und friedlichen Westernreiter sind in Wahrheit Kinderschänder, die 2 Jährige kaputt machen.
War einmal noch Natural Horsemanship nach Parelli angesagt, ist es nun allen klar, dass die Pferde mit den Seilen verhauen werden und der Unterhals trainiert wird.
Über Rennen reden wir am besten gar nicht erst. 

Über die Jahre hinweg haben sie sich gestritten wer denn nun der eigentliche Buhmann sei. Man kann sich einfach nicht entscheiden was schlimmer ist: Lampen austreten oder Spuren in den Sand ziehen. Da letztendlich so gut wie jeder in Erklärungsnot geriet, weil er auf seinen Bildern und Filmchen kein ideal laufendes und bemuskeltes Pferd zeigen konnte, wurde auf der Suche nach Ausreden - Verzeihung, Perfektion - eine neualte Reitweise herausgekramt, die all ihr Versagen - Verzeihung, Findung nach Perfektion - unterstützt.

Das ganze ist nun mit Dressur- oder Barocksattel (je nach Pferd, ob es normal aussieht oder fett, äh, Barock) in Verbindung mit einem perfekt ausbalancierten und unabhängigen Sitz kombiniert. Zu sehen sind Pferde in einer ganz und gar unvollkommen, äh, natürlichen Aufrichtung und Versammlung.
Ganze Disziplinen werden daraus geboren. Da ist es dann auch egal, dass es diese schon seit Jahrzehnten (oder länger?) gibt. Die passen so wunderbar zu dem Trend, der nämlich das vereint, was so pferdefreundlich ist, dass es kaum zu fassen ist, dass es noch nicht alle betreiben:
Klassisches Reiten.

Hier werden Pferde über Jahre hinweg erst am Kappzaum (NIEMALS ausgebunden) anlongiert, im Remontesitz (wer den Remontesitz nicht kennt, stelle sich eine Ente liegend auf dem Pferd vor) behutsam Vorwärts Abwärts angeritten um dann gaaaanz langsam eine Aufrichtung mit Versammlung zu erzielen, die nur dann gelungen ist, wenn der Unterhals deutlich sichtbar heraustritt und die Hinterhand vom Pferd im idealen Winkel abknickt.

Hierfür gibt es zahlreiche, in die Jahre gekommenen Zeichnungen, wie diese Perfektion auszusehen hat. Denn wie wir ja wissen ist alles, was früher mal gut war, immer noch gut und alles neue, Moderne ist reine Quälerei.

Vielleicht kommt daher auch der Trend, dass plötzlich Parteien wie die AFD Gehör finden. Die vertreten ja genauso die alten Werte. Ich frage mich ja, ob es eine alte Zeichnung von Hitler auf einem Pferd gibt, welches in perfekter klassischer Manier geritten wird. 

So ist es auch besonders verständlich und lobend zu erwähnen, dass die Gemeinschaft, die das klassische Reiten nach klassischen Vorbildern praktiziert, alle anderen beleidigt und des Missbrauchs bezichtigt, die nicht nach diesen Methoden reiten. Wenn Beleidigungen im Übrigen nicht weiterhelfen, kann man natürlich auch einzelne Reiter (oder ganze Vereine) verklagen. 

Was die Vertreter der Klassischen Reitkunst besonders gut beherrschen ist das Zusammenrotten, Verzeihung, ZusammenFINDEN um gemeinsam aufzuklären. Hier ist es auch nicht notwendig, dass sie selber zeigen, das sie es besser können. Das tut ja schließlich nichts zur Sache. Macht man sich jedoch die Mühe und schaut sich ihre Pferde an, fallen vor allem die pferdegerechten Hängerücken und Axthiebe auf. Ganz egal, in welchem Ausbildungsstand sie sich befinden. 

Ich bin jedes Mal völlig hin und weg, wenn ich die Pferde sehe, die sich nach nur 14 Jahren Ausbildung an den Zügel heran dehnen und über eine Stange auf dem Boden locker flockig hinweg traben.

Gleichzeitig frage ich mich, wie es die Reiter und Ausbilder schaffen, diesen Entensitz - Verzeihung, Remontesitz - über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Es sieht immer ein wenig danach aus, als hätten sie gerade einen besonders intensiven Toilettengang.

Sonntag, 10. April 2016

Unsere persönliche Freiheit - und warum wir sie nicht ausnutzen

Heute schreibe ich über ein Thema, welches mir sehr stark am Herzen liegt und mit dem ich mich relativ intensiv und regelmäßig befasse:

Die persönliche Freiheit

Wir leben in Deutschland, einem reichen Land. Wir verdienen im Vergleich zu den meisten anderen Ländern viel Geld und auch wenn wir nicht arbeiten, gibt es ein soziales Netz, das uns nicht einfach fallen lässt. Hartz IV, so niedrig es auch angesetzt sein mag, ist da und lässt uns nicht verhungern.

Hinzu kommt, dass wir ein aufgeklärtes Land sind. Wir haben Internet und eine Vielzahl an anderen Medien die uns nicht verdummen lassen (wenn wir es denn nutzen).

Das zu tun oder zu lassen wonach uns der Sinn steht ist also relativ einfach. Warum tun wir es dann nicht?

Wir glauben, dass wir frei wählen. Wir unterliegen dem Irrglauben, dass wir unser Leben so gestalten wie wir es möchten. Doch habe ich noch nie einen anderen Menschen im Regen tanzen gesehen. Ich habe noch nie mitbekommen wie jemand laut in der Öffentlichkeit singt (Betrunkene und Kinder zählen nicht) und es ihm egal ist, was die anderen denken. Sehr selten höre ich andere Menschen laut pupsen oder rülpsen.

Ja, es gibt Menschen in unserem Land die ihr Leben frei leben. Die wirklich genau das machen was sie möchten oder was ihnen gut tut - aber ich wage mal die Behauptung, dass sie nicht besonders häufig vorkommen.

Als ich vor zwei Wochen meine Comics hochgeladen habe, habe ich genau das getan, was ich wollte. Über die wirklich würdelosen Kommentare dazu möchte ich mich hier nicht äußern. Was mir fast noch wichtiger ist, sind die "Ratschläge", die ich dazu erhalten habe. Nein, damit meine ich nicht das konstruktive Feedback :) Konstruktives Feedback ist super!

Ich spreche von Sätzen wie "nimm die aus dem Internet" oder "schreibe sie um". Und noch besser, weil sie viel subtiler, waren: "Damit hast du dich aber ins Fettnäpfchen gesetzt" oder "Dahinter steckt doch ein rebellischer Teenager, der nichts anderes zu tun hat".

Mir wird damit also suggeriert und vermittelt, dass es peinlich und unreif ist, wenn ich eine Meinung äußere, die auf wenig Gegenliebe stößt.



Ein kleiner Zeitsprung:

Als ich ca. 16 oder 17 Jahre alt war, wurde ich von meiner Religionslehrerin gefragt, ob ich im Schülergottesdienst als Leadsängerin des Chors singen möchte. Es ging um das Lied "Laudato si". Begeistert habe ich angenommen. Und weil es mir so viel Spaß gemacht hat, habe ich nicht einfach brav da vorne gestanden sondern eine richtige Show draus gemacht. Ich habe laut gesungen und bin richtig abgegangen auf der Bühne.

Doch anstelle eines brandenden Applauses gab es mehr Gelächter. Sogar die Lehrer und die Direktorin lachten. Man kann sich ausmalen, wie peinlich es mir war. Und wie ich gleichzeitig schwer verunsichert war. Das zu tun, was einem richtig viel Spaß macht und was man von Herzen liebt: Und damit zum Gelächter der ganzen Schule zu werden. Ganz miese Erfahrung für einen Teenager :)

Was hier passierte, ist relativ klar. Mir wurde suggeriert, dass ich peinlich bin. Dass ich das lieber nicht gemacht hätte.

Ich stand danach nie wieder so ausgelassen auf einer Bühne.



Zurück zu heute. Ich sehe viele Menschen die nicht das tun, was sie am liebsten machen würden. Und ich möchte mich an einer These versuchen.

Ich glaube, sehr oft ist es nicht die Angst vor dem Versagen selbst die uns bremst, sondern die Angst davor, dabei gesehen zu werden. Ausgelacht zu werden.

So trauen wir uns nicht im Bikini an den Strand, aus Angst, dass unsere Cellulite gesehen wird. Wir vergehen lieber in fürchterlichen Krämpfen anstatt einmal zu pupsen. Wir singen nicht laut und wir tanzen nicht in der Öffentlichkeit.

Wir bewegen uns um die anderen Menschen herum, darauf bedacht, nicht komisch aufzufallen. Um Menschen, die die selbe Angst teilen. Und wenn nicht, dumme Arschlöcher sind, wenn sie andere absichtlich verunsichern.


Es ist mir nicht gänzlich egal, was andere von mir halten. In einem gewissen Maße kann es das auch nicht. Nackt im Büro auftauchen und andere anschreien nur weil mir danach ist, würde mich meinen Job kosten. Und den mache ich wirklich gerne.

Genausowenig ist es mir egal, ob ich andere mit meinem Verhalten verletze. Mit wachsender Freiheit wächst auch die Verantwortung und jemand anderen anzugreifen, nur weil mir danach ist, halte ich für sehr unschön. Die freie Meinungsäußerung hat für mich also die unbedingte Regel, andere nicht zu beleidigen, zu verunsichern oder fertig zu machen.


Mittlerweile fühle ich mich so frei, meine Meinung zu äußern - auch wenn ich dabei nicht von allen gemocht werde. Ich fühle mich so frei, zu singen wenn mir danach ist. Und ich fühle mich so frei, darüber hier zu schreiben. Ich schaffe es leider nicht immer, andere nicht zu verunsichern. Aber ich übe fleißig :)

In meinen Gedanken zum Sonntag wünsche ich euch allen den Mut und das Selbstvertrauen, das zu tun, was euch glücklich macht und das zu sagen, was ihr gerne sagen möchtet.


-Ingamie-




Montag, 28. März 2016

Reite so wie es DIR gefällt - Offizielle Stellungnahme

Mein Blogbeitrag wurde mittlerweile über 2000 Mal gelesen. Meine Comics ich weiß nicht wie oft kommentiert, geteilt, kritisch hinterfragt und gehatet.

Eine Stellungnahme dazu habe ich nie beabsichtigt. Doch nachdem ich mehrfach beschuldigt wurde, Tierquälerei zu propagieren, halte ich es für notwendig, mich und auch all die, die meine Worte nicht missverstanden haben, zu schützen.



Niemand, der ein Pferd hinter der Senkrechten reitet, ist automatisch ein Tierquäler. Und niemand, der sich nicht in erster Linie für die Gymnastizierung seines Pferdes interessiert, ist automatisch in Tierquäler.

Und niemand, der sich für den Reiter stark macht, ist ein Tierquäler.


Reite so wie es DIR gefällt - Was zum Teufel habe ich mir dabei eigentlich gedacht?

Zum einen habe ich mir NICHT dabei gedacht, dass man dabei das Tier außer Acht lassen soll. Ich habe mir NICHT dabei gedacht, dass es egal ist, wie das Tier fühlt und wie es ihm dabei geht. Ich habe mir NICHT dabei gedacht, dass gewaltsames Rollkurreiten oder täglich stundenlanges reiten ohne jegliche Gymnastizierung in Ordnung sind.

Ich habe mir gedacht, dass es sehr viele Meinungen und Weisheiten zum Thema korrektem Reiten gibt. Die wenigsten von uns sind so gut, dass sie jeden Tag in jeder Minute ideal reiten. Die wenigsten Pferde sind so ausgebildet und ideal veranlagt, dass es in ein Lehrbuch gehört. Die meisten von uns sind permanent bemüht es richtig zu machen. Soweit ist das ja auch erst mal alles gut.

Was jedoch hinter all diesem Wissen, das wir in uns aufsaugen und dem penbilen Bemühen keine Fehler zu machen steckt, ist Frustration. Mutlosigkeit. Und vor allem Scham. Weil wir dem Ideal nicht entsprechen. Unsere Pferde diesem Ideal nicht entsprechen. Dass die Bilder die von uns gemacht werden, nicht vorzeigbar sind - in dem Wissen, dass wir bis aufs Blut gemobbt werden, tun wir es dennoch.

Wir vergessen das wichtigste, das hinter all dem steckt: Spaß.
Wir brauchen den Mut, Fehler zu machen. Wir brauchen Ausritte ohne an die Gymnastizierung zu denken. Wir müssen wissen, dass es da draußen so viele Menschen gibt, die ihr Pferd nicht korrekt in die Dehnungshaltung reiten können. Seien es reiterliche Schwächen oder ein Pferd, das entweder schlecht ausgebildet wurde, körperliche Schwierigkeiten hat oder es schlichtweg zu anstrengend findet und sich gut durchsetzen kann.

Wenn wir diesen Spaß nicht haben, machen wir grundlegend etwas falsch. Und wenn wir uns den Spaß von Menschen nehmen lassen, die nichts besseres zu tun haben als auf anderen im Internet rumzuhacken, dann wird uns ein Stück Freiheit genommen. Das Vertrauen in unser Bauchgefühl.

Hier werden Mädchen kritisiert die stellvertretend für Fehler stehen, die verdammt noch mal dazugehören. Die gemacht werden.
Kritisiert anhand von Comics, die MOMENTAUFNAHMEN zeigen. Niemand weiß, ob Saskias Pferd 2 Sekunden später in korrekter Haltung läuft. Niemand weiß, ob Maria täglich Unterricht nimmt, auch wenn sie sich nicht für Gymnastizierung interessiert.

Ob Saskias Pferd vielleicht sonst falsch ausgebildet wurde. Ob Marias Pferd ein ausgedientes Schulpferd ist, das nie gelernt hat, korrekt zu laufen und es jetzt im Rentenalter auch nicht mehr lernen muss. Weil beide Mädchen einfach eine schöne Zeit mit ihren Pferden verbringen möchten.

Ich habe noch zahlreiche Ideen für solche Comics und vielleicht werde ich sie zeichnen und posten. Das ist meine ganz persönliche Freiheit dies zu tun - auch mit dem Risiko dahinter, der Tierquälerei angeschuldet zu werden.

Ihr könnt von meiner Idee halten was ihr wollt.
Ich weiß, was ich von mir selber halte und stehe weiterhin genau hinter dem was ich geschrieben habe. Ich weiß für mich, dass "Reite so wie es DIR gefällt" den Partner Pferd nicht zwingend ausschließt. Wenn das jemand für sich voneinander trennen möchte, kann er das gerne tun. Und wenn er meine Gedanken weiterhin negativ auffassen möchte und das offiziell kundtun möchte, kann er auch das gerne tun. Das ist seine Freiheit.

Frieden hat für mich mit so viel mehr zu tun.


Eure Ingamie



Samstag, 26. März 2016

Bis auf's Blut - die Wendywelt im Internet

Man sollte meinen, das Reitervolk verbindet eine gemeinsame Leidenschaft: Pferde. Sie reiten zusammen, freuen sich über ihre erreichten Ziele, über das Wiehern ihrer geliebten Vierbeiner und lachen gemeinsam über ihre Fehler die sie machen.

Doch schon als Kind habe ich gelernt, dass das ein großer Irrtum ist. Wenn es um Pferde geht, hört der Spaß auf. Aber ganz schnell.

Fehler machen ist hier schlichtweg ein No-Go. Dann sollte man sich lieber ein Schaukelpferd zulegen, vom Tierschutz angezeigt werden und sich nie wieder einem Pferd auf 100 Meter nähern.

Nicht das zu machen, was der "gemeine Pöbel" anhand neuerster Studien zum Thema Biomechanik empfiehlt, grenzt an puren Egoismus und Tierquälerei. Da wird dann auch gerne der Vergleich zu Kinderschändern oder Frauen-Verkloppern gebracht.

Ich bin selber ein Pfedemensch, gebe mir schrecklich viel Mühe alles richtig zu machen und mach trotzdem ganz viele Fehler. Meinem Pferd geht es (soweit ich das beurteilen kann) gut. Es spielt, arbeitet mit, bekommt gut zu essen und sieht regelmäßig Trainer, Sattler, Hufschmied, Tierarzt. Ich habe eine super Reitbeteiligung und wir sorgen uns darum unser Pferd gesund zu erhalten.

In meinem Stall gibt es relativ viel Akzeptanz untereinander. Es wird wenig gelästert und gezickt und die meiste Zeit freuen wir uns einfach an unserer gemeinsamen Leidenschaft.

Davon ermutigt habe ich zwei Comics gemalt:




Ich war inspiriert von einer Illustratorin die solche Bilder zum Thema Feminismus und Emanzipation gemalt hat.
Der wesentliche Unterschied zu ihren Bildern ist der, dass es im Feminismus um den eigenen Körper geht.
In meinen Comics geht es ja zusätzlich noch um das Lebewesen Pferd.


Die Aussage in meinen beiden Comics ist die selbe:
Bleibe bei Dir. Höre auf Dein Bauchgefühl. Du musst nicht perfekt sein um glücklich zu sein. Akzeptiere Dich selbst und andere.

Diese Bilder habe ich in einer kritik- und diskussionfreudigen Facebookgruppe gepostet. Die Reaktion darauf überrascht mich immer noch.

Es wird den beiden gemalten Mädchen unterstellt, dass sie Egoisten sind. Dass sie sich nicht weiterbilden und gar nicht versuchen, es besser zu machen. Dass sie sich nicht für ihre Pferde interessieren.

Maria wird mit einem Mann verglichen der junge Mädchen begrabscht.
Saskia solle doch gefälligst Unterricht nehmen.

Und überhaupt und außerdem! Beide Mädchen sollten am besten nicht mehr reiten!

Mich persönlich treffen diese Kritiken nicht. Sind es doch Kritiken an fiktiven, gemalten Mädchen.

Doch das Wissen wie wenig Akzeptanz und Nächstenliebe unter dem Reitervolk herrscht erschreckt mich. Wie stark jeder bemüht ist, andere Reiter auf ihre Fehler hinzuweisen und sie zu belehren. Wie sie sich gegenseitig bis auf's Blut bekämpfen, der festen Überzeugung dass sie genau wissen, wie man es denn richtig macht.

Dabei weiß niemand wie alt Marias Pferd ist, wie oft Saskia Unterricht nimmt, wie gut oder schlecht gepflegt ihre Pferde sind. Es wird einfach vom allerschlimmsten ausgegangen.


Ich wünschte, dieser wunderbare Frieden den ich in meinem Reitstall erlebe, würde sich auf andere Pferdemenschen übertragen.

Eint uns doch alle die selbe Leidenschaft.


-Ingamie-




Sonntag, 20. März 2016

Wende Dein Gesicht der Sonne zu

"Wende Dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter Dich."

Diesen Spruch hat mir mal ein Grundschullehrer in mein Poesie-Album geschrieben. Toller Spruch, oder? 
Er besagt, wenn ich mich auf die guten Dinge konzentriere und mich den positiven Dingen zuwende, dann bleiben die negativen Dinge fern von mir.



Schöner Spruch.

Ich lebe in Hamburg. Gefühlt erlebe ich etwa 75% aller Tage im Jahr mit Regenwolken über mir. Wenn ich also mein Gesicht der Sonne zuwenden wollen würde, dann müsste ich manchmal lange suchen.


Jetzt stelle ich mir vor, dass ich mich in meinem Leben nur noch auf die sonnigen Momente konzentriere. Zum einen würde ich wirklich viele Tage in meinem Leben mit geschlossenen Augen durch die Welt laufen müssen ;)

Zum anderen würde das ständige In-Die-Sonne-Starren ein paar Probleme mit sich bringen.

Sicher würde ich viele tolle Dinge in der Sonne sehen: Fröhliche, nette Menschen, das Lob meines Vorgesetzten, die Erfolge die ich erlebe.


Doch je länger ich mich in der Sonne aufhalte, umso kälter wird mir, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt. Wenn die fröhlichen Menschen plötzlich unfreundlich werden. Wenn mein Vorgesetzter Kritik hat. Wenn sich keine Erfolge mehr einstellen.

Oder aber ich verfluche jede kleine Wolke, die sich vor die Sonne schiebt. Auch wenn ich dringend mal eine Abkühlung nötig hätte: ich lehne jeglichen Schatten ab.


Im Schatten liegt die Erfahrung

Ich liebe ja Metaphern, also gibt es hier eine kleine Exkursion in die Spiele-Welt:
Wer schon mal PC Rollenspiele gespielt hat, weiß, dass die glitzernden Schatztruhen in den dunklen Höhlen versteckt sind. Der weiß, dass diese Schatztruhen von fiesen Gegnern bewacht werden. Der weiß, dass das Besiegen (oder niedermetzeln) der Gegner Erfahrungspunkte bringt. Und diese Efahrungspunkte meinen Charakter stärker werden lassen und in der Schatztruhe sehr coole Gegenstände und Gold zu finden sind.

Wer den Schatten kennt, weiß, was er von ihm hat.

Die Kritik meines Vorgesetzten (solange sie konstruktiv ist) bringt mich weiter. Der Misserfolg lehrt mich. Die nicht immer fröhlichen Menschen offenbaren mir ihre Facetten und ich lerne sie besser kennen.
Die dunklen Stunden bringen mich zu großen Schätzen: Zu wertvollen Erkenntnissen und maßgeblichen Erfahrungen.

Solange ich mich ausschließlich der Sonne zuwende bin ich für die Schätze, die im Dunkeln lauern, blind.

Wir glauben, allein in unseren positiven Gedanken liegen die guten Momente. Ich hingegen glaube, unsere Angst vor der Dunkelheit blockiert uns und verwehrt uns den Weg zu vollständigem Glück.

So wende ich mein Gesicht dem Schatten zu, dann fallen die Illusionen hinter mich - und ich entdecke eine völlig neue, wunderbare Welt.


-Ingamie-




Sonntag, 13. März 2016

Nein Danke, ich bin ich nicht depressiv

Meine Gedanken kreisten in den letzten Tagen um ein sehr spezielles Thema, welches ich gerne genauer unter die Lupe nehmen möchte:

Positives Denken

Diese Schlagworte werden einem relativ häufig unbedacht um die Ohren gehauen. Besonders dann, wenn man gerade mal wieder eine unbeliebte Meinung hatte, zugegeben hat, dass man mit irgendwas ein Problem hat und im Leben immer mal wieder stolpert.

Es müssen gar nicht unbedingt genau diese Schlagworte sein. Sehr oft kommen sie in einer anderen Verpackung daher.
Hier ein paar meiner liebsten Beispiele: 
"Lass doch mal los"
"Nimm dich doch mal an, wie du bist"
"Du solltest lernen, dich auf die guten Dinge zu fokussieren"

Dazu habe ich eine Meinung.

Ich will nicht jedes Mal einfach so loslassen. Was soll ich denn überhaupt loslassen? Meine Überzeugungen, für die ich kämpfe? Meine Meinungen, die ich habe? Meine Gefühle die ich erlebe?

Ich will mich nicht auf die "guten" Dinge fokussieren, wenn das bedeutet, dass ich mich dadurch selbst verrate. Wenn ich gerade einfach nicht gut drauf sein will. Weil ich vielleicht gerade fucking Stress habe und Kopfschmerzen und das Leben einfach mal scheiße finden will. Dann möchte ich meine verdammte Ruhe und bin froh, dass ich Zuhause kein falsches Lächeln aufsetzen muss sondern die ganze Welt verfluchen darf ohne dass mir jemand sagt: "Du störst gerade mein ideales Weltbild."

Für mich gehören "Sich selbst annehmen" und "Positiv Denken" in unterschiedliche Kategorien. Denn wenn ich mich selbst annehme, dann nehme ich auch meine dunklen Seiten an. All das, was vielleicht nicht in das Klischeebild passt, wie es andere gerne haben.
Ich nehme mein positives Denken an, mein negatives Denken, mein lustiges Denken, mein zynisches Denken, mein kritisches Denken.
Ich nehme die Teile meines Körpers an, die mir nicht gefallen und akzeptiere, dass sie zu mir gehören.

Ich akzeptiere, fehlerbehaftet zu sein. 

Und mir wird klar, dass glücklich sein mit so viel mehr als einem Happy End zu tun hat. 

Warum ist es so angesagt, sich selbst hinter einer Fassade von Glanz und Gloria zu verstecken? Böse Gefühle und schwarze Gedanken unter den Teppich zu kehren? So zu tun als wäre das eigene Leben perfekt und man alles an sich traumhaft schön findet wenn es doch eigentlich anders ist? Ständig um das perfekte Selfie bemüht, im Zwischenmenschlichen jeglichen Konflikt scheuend, die eigenen Schwächen überschminkt ein falsches Lächeln aufsetzend. 

Und wenn etwas nicht in dieses Bild passt, die Harmonie stört und evtl die eigene Fassade anschlägt, dann wird es klein gemacht und retuschiert. Dann ist derjenige, der mit diesem Bild aufzuräumen versucht einfach "depressiv" oder "problematisch" oder "hasserfüllt".

Wieso schließen sich in so vielen Köpfen Liebe und Kritik gegenseitig aus? Was, wenn ich sage, dass ich jemanden lieben kann auch wenn ich mal schlecht von ihm denke? Dass ich mich freuen kann auch wenn ich Aspekte davon doof finde? 
Dass ich die Kritik nicht ausblenden muss um das Gute dahinter zu sehen?


Es ist sehr einfach, den anderen in Schubladen zu stecken, die die Titel "depressiv", "negativ" oder "hasserfüllt" tragen. Es ist hingegen sehr viel schwieriger und erfordert eine Menge an Mut, sich selbst einzugestehen, dass man Schwierigkeiten hat, traurige Phasen durchlebt, sich selbst belügt und damit auch andere.

An dieser Stelle möchte ich all den Menschen da draußen, die ehrlich mit sich selbst umgehen, meine tiefste Bewunderung aussprechen. Ihr seid meine Helden! Ihr, die da draußen Schwierigkeiten überwindet! Ihr, die laut weinen und lachen könnt! Ihr, die ihr euch eingesteht, dass ihr Fehler macht und nicht immer aus allen Fehlern lernt!

Positiv Denken hat im Ursprung etwas sehr Schönes. Es bedeutet für mich, dass ich, egal wie schwierig es gerade ist oder wie aussichtlos sich etwas anfühlt, meinen Mut nicht verliere, durch diese Situation zu gehen.

Den Schmerz spürend, die Angst im Nacken.



-Ingamie-





Dienstag, 8. März 2016

Eine Ode an uns Frauen



Jippiejucheißa, es ist Weltfrauentag! 
Uhlala!


Diese Ode geht an uns, liebe Ladies.



Niemals in Deinem ganzen Leben verlässt Du ungeschminkt das Haus.
Deine Haare sind perfekt gestylt.
Die Kleidung die Du trägst ist teuer und neu.
Deine Schuhe passen grundsätzlich zu Deiner Handtasche und zu Deinen Accessoires.
Du isst nach Plan und definierst Deinen Körper.

Das bist Du. Eine Frau.


Du hast ein paar Pfunde zu viel, die Du jeden Tag kritisch im Spiegel beäugst.
Du gehst sehr gerne shoppen.
Zuhause bist du kreativ und probierst neue Dinge aus.
Du bist leidenschaftlich und vielseitig.
Draußen in der Natur fühlst du dich am wohlsten.

Das bist Du. Eine Frau.


Du bist ein lebendes Kunstobjekt.
Deine Wimpern sind falsch und Deine echte Haarfarbe kennst Du nicht mehr.
Am liebsten trägst Du verrückte, ausgefallene Kleidung.
Ein Piercing hier und da darf nicht fehlen.
Dein Körper ist voller Tattoos.

Das bist Du. Eine Frau.


Du hast einen Vollzeitjob und bildest Dich in Deiner Freizeit weiter.
Dein Image ist Dir wichtig.
In Deiner wenigen Freizeit triffst Du Dich mit Deiner Familie.
Niemand lacht so laut wie Du.
Du liebst Frauen und Männer.

Das bist Du. Eine Frau.


Du hast drei Kinder und das vierte ist Dein Mann.
Vormittags arbeitest Du und nachmittags kümmerst Du Dich um den Haushalt.
Manchmal hasst Du es, jedem hinterherzuräumen.
Das Lachen Deiner Kinder ist das Größte für Dich.

Das bist Du. Eine Frau.


Du bist alleinerziehend.
Du arbeitest voll und hast für Deine Kinder einen Babysitter.
Ein Partner an Deiner Seite wäre manchmal gut.
Zwischen Job und Kindern bleibt wenig Zeit für Dich, doch die genießt Du bewusst.
Du kochst gerne und leidenschaftlich, doch nur am Wochenende.

Das bist Du. Eine Frau.


Karriere und Job sind nicht Dein Leben.
Am liebsten bist Du zusammen mit Deinem Mann und Deinen Kindern.
Vollzeit-Mami zu sein ist für Dich die pure Freude.
Die Entwicklung Deiner Kinder interessiert Dich mehr als alles andere.
Manche belächeln Dich doch Du hast Dich für dieses Leben entschieden.

Das bist Du. Eine Frau.


Dein Leben lang hast Du Dich um den Haushalt und Deine Familie gekümmert.
Jetzt traust Du dich nach draußen und startest Deine Karriere.
Manchmal hast Du Angst, zu versagen.
Doch Dein Mut ist größer.
Deine Freundinnen sind wie Deine Schwestern.

Das bist Du. Eine Frau.


Du bist sehr klug und gebildet.
Lesen und Lernen sind Deine größten Leidenschaften.
Die Musik muss Dein ständiger Begleiter sein.
Wenn die Sonne Deinen Garten erhellt und die Blumen erblühen,
spürst Du tiefe Dankbarkeit.

Das bist Du. Eine Frau.


Du spielst im Theater und malst und schreibst.
Die Kunst, egal in welcher Form, lebt durch Dich hindurch.
Geschichten saugst Du auf wie ein Schwamm.
Dein Leben ist ein Abenteuer und Du bist mittendrin.

Das bist Du. Eine Frau.


Ohne Kopftuch verlässt Du nicht das Haus.
Immer wieder sprechen Dich andere Menschen darauf an,
dass Du in diesem Land das Kopftuch nicht tragen musst.
Deine Mutter hat ein Kopftuch getragen.
Deine Großmutter hat ein Kopftuch getragen.
Deine Schwestern tragen Kopftücher.
Du trägst Dein Kopftuch mit Stolz auf Deine Kultur und Deine Religion.

Das bist Du. Eine Frau.


Ich liebe meinen Job, ich liebe meinen Freund und ich liebe mein Pferd.
Im Moment lebe ich mein Leben völlig unentschlossen.
Ich trage Piercing und Tattoos, bin gepflegt und schminke mich gerne.
Meine Kleidung ist mehr praktisch als körperbetont.
Das Wochenende beginne ich immer mit meinem haarigen Hund im Bett.

Das bin ich. Eine Frau.


Wir lieben und lachen und fühlen und weinen.
Wir kämpfen zusammen für eine gerechte Welt.
Wir stolpern und fallen, stehen auf und gehen weiter.
Wir tragen Narben.

Wir scheitern.
Wir siegen.
Wir träumen.
Wir hoffen.

Wir haben Angst. Wir leben.

Unser Leben gehört uns.

Das sind wir. Frauen.


-Ingamie-



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