Heute schreibe ich über ein Thema, welches mir sehr stark am Herzen liegt und mit dem ich mich relativ intensiv und regelmäßig befasse:
Die persönliche Freiheit
Wir leben in Deutschland, einem reichen Land. Wir verdienen im Vergleich zu den meisten anderen Ländern viel Geld und auch wenn wir nicht arbeiten, gibt es ein soziales Netz, das uns nicht einfach fallen lässt. Hartz IV, so niedrig es auch angesetzt sein mag, ist da und lässt uns nicht verhungern.
Hinzu kommt, dass wir ein aufgeklärtes Land sind. Wir haben Internet und eine Vielzahl an anderen Medien die uns nicht verdummen lassen (wenn wir es denn nutzen).
Das zu tun oder zu lassen wonach uns der Sinn steht ist also relativ einfach. Warum tun wir es dann nicht?
Wir glauben, dass wir frei wählen. Wir unterliegen dem Irrglauben, dass wir unser Leben so gestalten wie wir es möchten. Doch habe ich noch nie einen anderen Menschen im Regen tanzen gesehen. Ich habe noch nie mitbekommen wie jemand laut in der Öffentlichkeit singt (Betrunkene und Kinder zählen nicht) und es ihm egal ist, was die anderen denken. Sehr selten höre ich andere Menschen laut pupsen oder rülpsen.
Ja, es gibt Menschen in unserem Land die ihr Leben frei leben. Die wirklich genau das machen was sie möchten oder was ihnen gut tut - aber ich wage mal die Behauptung, dass sie nicht besonders häufig vorkommen.
Als ich vor zwei Wochen meine Comics hochgeladen habe, habe ich genau das getan, was ich wollte. Über die wirklich würdelosen Kommentare dazu möchte ich mich hier nicht äußern. Was mir fast noch wichtiger ist, sind die "Ratschläge", die ich dazu erhalten habe. Nein, damit meine ich nicht das konstruktive Feedback :) Konstruktives Feedback ist super!
Ich spreche von Sätzen wie "nimm die aus dem Internet" oder "schreibe sie um". Und noch besser, weil sie viel subtiler, waren: "Damit hast du dich aber ins Fettnäpfchen gesetzt" oder "Dahinter steckt doch ein rebellischer Teenager, der nichts anderes zu tun hat".
Mir wird damit also suggeriert und vermittelt, dass es peinlich und unreif ist, wenn ich eine Meinung äußere, die auf wenig Gegenliebe stößt.
Ein kleiner Zeitsprung:
Als ich ca. 16 oder 17 Jahre alt war, wurde ich von meiner Religionslehrerin gefragt, ob ich im Schülergottesdienst als Leadsängerin des Chors singen möchte. Es ging um das Lied "Laudato si". Begeistert habe ich angenommen. Und weil es mir so viel Spaß gemacht hat, habe ich nicht einfach brav da vorne gestanden sondern eine richtige Show draus gemacht. Ich habe laut gesungen und bin richtig abgegangen auf der Bühne.
Doch anstelle eines brandenden Applauses gab es mehr Gelächter. Sogar die Lehrer und die Direktorin lachten. Man kann sich ausmalen, wie peinlich es mir war. Und wie ich gleichzeitig schwer verunsichert war. Das zu tun, was einem richtig viel Spaß macht und was man von Herzen liebt: Und damit zum Gelächter der ganzen Schule zu werden. Ganz miese Erfahrung für einen Teenager :)
Was hier passierte, ist relativ klar. Mir wurde suggeriert, dass ich peinlich bin. Dass ich das lieber nicht gemacht hätte.
Ich stand danach nie wieder so ausgelassen auf einer Bühne.
Zurück zu heute. Ich sehe viele Menschen die nicht das tun, was sie am liebsten machen würden. Und ich möchte mich an einer These versuchen.
Ich glaube, sehr oft ist es nicht die Angst vor dem Versagen selbst die uns bremst, sondern die Angst davor, dabei gesehen zu werden. Ausgelacht zu werden.
So trauen wir uns nicht im Bikini an den Strand, aus Angst, dass unsere Cellulite gesehen wird. Wir vergehen lieber in fürchterlichen Krämpfen anstatt einmal zu pupsen. Wir singen nicht laut und wir tanzen nicht in der Öffentlichkeit.
Wir bewegen uns um die anderen Menschen herum, darauf bedacht, nicht komisch aufzufallen. Um Menschen, die die selbe Angst teilen. Und wenn nicht, dumme Arschlöcher sind, wenn sie andere absichtlich verunsichern.
Es ist mir nicht gänzlich egal, was andere von mir halten. In einem gewissen Maße kann es das auch nicht. Nackt im Büro auftauchen und andere anschreien nur weil mir danach ist, würde mich meinen Job kosten. Und den mache ich wirklich gerne.
Genausowenig ist es mir egal, ob ich andere mit meinem Verhalten verletze. Mit wachsender Freiheit wächst auch die Verantwortung und jemand anderen anzugreifen, nur weil mir danach ist, halte ich für sehr unschön. Die freie Meinungsäußerung hat für mich also die unbedingte Regel, andere nicht zu beleidigen, zu verunsichern oder fertig zu machen.
Mittlerweile fühle ich mich so frei, meine Meinung zu äußern - auch wenn ich dabei nicht von allen gemocht werde. Ich fühle mich so frei, zu singen wenn mir danach ist. Und ich fühle mich so frei, darüber hier zu schreiben. Ich schaffe es leider nicht immer, andere nicht zu verunsichern. Aber ich übe fleißig :)
In meinen Gedanken zum Sonntag wünsche ich euch allen den Mut und das Selbstvertrauen, das zu tun, was euch glücklich macht und das zu sagen, was ihr gerne sagen möchtet.
-Ingamie-

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