Freitag, 15. April 2016

Reite so wie es dir gefällt - Klassikreiter

Es gibt so gut wie keine Reitweise mehr, die in der kompetenten Fach-Community namens Facebook noch Bestand hat.
Dressur ist der Erfinder der Rollkur.
Im Springen werden die Pferde über zu hohe Hindernisse geprügelt/gebarrt.
Die einst so pferdefreundlichen und friedlichen Westernreiter sind in Wahrheit Kinderschänder, die 2 Jährige kaputt machen.
War einmal noch Natural Horsemanship nach Parelli angesagt, ist es nun allen klar, dass die Pferde mit den Seilen verhauen werden und der Unterhals trainiert wird.
Über Rennen reden wir am besten gar nicht erst. 

Über die Jahre hinweg haben sie sich gestritten wer denn nun der eigentliche Buhmann sei. Man kann sich einfach nicht entscheiden was schlimmer ist: Lampen austreten oder Spuren in den Sand ziehen. Da letztendlich so gut wie jeder in Erklärungsnot geriet, weil er auf seinen Bildern und Filmchen kein ideal laufendes und bemuskeltes Pferd zeigen konnte, wurde auf der Suche nach Ausreden - Verzeihung, Perfektion - eine neualte Reitweise herausgekramt, die all ihr Versagen - Verzeihung, Findung nach Perfektion - unterstützt.

Das ganze ist nun mit Dressur- oder Barocksattel (je nach Pferd, ob es normal aussieht oder fett, äh, Barock) in Verbindung mit einem perfekt ausbalancierten und unabhängigen Sitz kombiniert. Zu sehen sind Pferde in einer ganz und gar unvollkommen, äh, natürlichen Aufrichtung und Versammlung.
Ganze Disziplinen werden daraus geboren. Da ist es dann auch egal, dass es diese schon seit Jahrzehnten (oder länger?) gibt. Die passen so wunderbar zu dem Trend, der nämlich das vereint, was so pferdefreundlich ist, dass es kaum zu fassen ist, dass es noch nicht alle betreiben:
Klassisches Reiten.

Hier werden Pferde über Jahre hinweg erst am Kappzaum (NIEMALS ausgebunden) anlongiert, im Remontesitz (wer den Remontesitz nicht kennt, stelle sich eine Ente liegend auf dem Pferd vor) behutsam Vorwärts Abwärts angeritten um dann gaaaanz langsam eine Aufrichtung mit Versammlung zu erzielen, die nur dann gelungen ist, wenn der Unterhals deutlich sichtbar heraustritt und die Hinterhand vom Pferd im idealen Winkel abknickt.

Hierfür gibt es zahlreiche, in die Jahre gekommenen Zeichnungen, wie diese Perfektion auszusehen hat. Denn wie wir ja wissen ist alles, was früher mal gut war, immer noch gut und alles neue, Moderne ist reine Quälerei.

Vielleicht kommt daher auch der Trend, dass plötzlich Parteien wie die AFD Gehör finden. Die vertreten ja genauso die alten Werte. Ich frage mich ja, ob es eine alte Zeichnung von Hitler auf einem Pferd gibt, welches in perfekter klassischer Manier geritten wird. 

So ist es auch besonders verständlich und lobend zu erwähnen, dass die Gemeinschaft, die das klassische Reiten nach klassischen Vorbildern praktiziert, alle anderen beleidigt und des Missbrauchs bezichtigt, die nicht nach diesen Methoden reiten. Wenn Beleidigungen im Übrigen nicht weiterhelfen, kann man natürlich auch einzelne Reiter (oder ganze Vereine) verklagen. 

Was die Vertreter der Klassischen Reitkunst besonders gut beherrschen ist das Zusammenrotten, Verzeihung, ZusammenFINDEN um gemeinsam aufzuklären. Hier ist es auch nicht notwendig, dass sie selber zeigen, das sie es besser können. Das tut ja schließlich nichts zur Sache. Macht man sich jedoch die Mühe und schaut sich ihre Pferde an, fallen vor allem die pferdegerechten Hängerücken und Axthiebe auf. Ganz egal, in welchem Ausbildungsstand sie sich befinden. 

Ich bin jedes Mal völlig hin und weg, wenn ich die Pferde sehe, die sich nach nur 14 Jahren Ausbildung an den Zügel heran dehnen und über eine Stange auf dem Boden locker flockig hinweg traben.

Gleichzeitig frage ich mich, wie es die Reiter und Ausbilder schaffen, diesen Entensitz - Verzeihung, Remontesitz - über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Es sieht immer ein wenig danach aus, als hätten sie gerade einen besonders intensiven Toilettengang.

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