Sonntag, 28. Februar 2016

Meine alten Widersacher: Schuld und Zweifel

In mir drin haust eine WG der Gefühle. Hat jemand von euch "Inside out" gesehen? Da geht es um die verschiedenen Gefühle die in jedem von uns wohnen. Im Film selber beschränkt es sich auf Freude, Kummer, Wut, Ekel und Angst. Ich will mich nicht zu lange mit dem Film aufhalten, aber in meinen Augen trägt dieser eine wichtige Botschaft und sollte unbedingt angesehen werden. Vor allem von denjenigen, die denken, dass das Leben nur aus glücklichen und freudvollen Momenten bestehen sollte ;)

In meiner Gefühls-WG (und wahrscheinlich ebenfalls in euren Gefühls-WGs) gibt es noch mehr Gefühle. Und zwei von ihnen, denen ich gerne ein Kündigungsschreiben vor die Nase halten würde, sind Schuld und Zweifel. Die beiden Lumpensäcke tauchen ständig auf und haben die lästige Angewohnheit nicht so einfach wegzugehen. Und sie kommen immer dann vorbei, wenn ich mich gerade weiterentwickeln möchte.

Sie erscheinen immer auf die Einladung von Angst. Ich glaube, die sind zusammen in einer Gang oder so ähnlich. Sie tauchen gewöhnlich dann auf, wenn Angst in mir nicht so viel zu melden hat. Das passiert meistens, nachdem Mut ihren Auftritt hatte.

Mut mag ich. Sie ist dafür zuständig, dass ich mich in unbekannte Gewässer traue und aus mir rausgehe. Sie ist mein Vorbild und ich möchte gerne so sein wie sie. Sie geht mit mir auf Reisen und zeigt mir die Welt.

Während sie an der Reihe ist, halten andere Gefühle die Klappe. Besonders Angst wird zum Schweigen gebracht und Angst sieht das gar nicht gerne.

Leider Gottes hat Mut eine Schwachstelle: So cool sie auch ist (ich glaube, sie trägt Lederjacke und reitet ganz bestimmt auch), sie ist nicht gerade beständig. Sie kommt immer nur ab und an zu Besuch und nachdem sie in der WG aufgeräumt hat, geht sie. Sobald mich Mut also wieder verlassen hat, kommt Angst' Auftritt.

Er (oder sie? Da bin ich mir nicht einig) holt sich Verstärkung. Von seinen Buddies, den müffelnden, voll doofen, immer unpassend gekleideten und niemals gekämmten Schuld und Zweifel.

Die warten jedes mal diebisch grinsend und voller Vorfreude auf ihren Einsatz, wenn Mut wieder einmal im Alleingang in meiner WG gewütet hat und der Kurs auf Selbstsicherheit steht.

Dann kommen sie vorbei, schleichen in die WG und hauen allem auf die Fresse, was Mut so errichtet hat. Sobald sie das erledigt haben, machen sie es sich bequem und saufen Bier oder so. Sie setzen sich auf die gemütlichen Sofas am Eingang zu meinen Ohren und flüstern Dinge wie "Niemand mag dich", "Du hast alles kaputt gemacht", "Du kannst ja gar nichts" und "Loser" im Dauertonus.

Dabei verschütten sie ihr Bier und drücken ihre Zigaretten auf den Polstern aus. Sie rülpsen laut und niemand (außer Angst) mag sie so richtig.

Es gibt nur eine Möglichkeit, sie zum Gehen zu bewegen: Ignoranz. Weiter machen und so tun als würde ich sie nicht hören. Und so schreibe ich weiter und male und veröffentliche und manchmal werden sie wieder leiser. Und im nächsten Moment brüllen sie mir in den Kopf. Die beiden Söhne einer Hure! Wichspimmelschweine!

Eigentlich ist es schade. Die beiden haben ihre Berechtigung und gehören genauso wie alle anderen in die WG. Ich bin mir sicher, sie wollen mir nur helfen. Doch (wie auch alle anderen Gefühle) sind sie über die Jahre die sie schon in mir wohnen mit Dingen konfrontiert worden, die sie zu dem werden ließen, was sie jetzt sind. Zwei verrückte, durchgeknallte Landstreicher, die der Meinung sind, dass die Welt da draußen gegen mich ist und ich dringend davor bewahrt werden muss.

Ich hoffe, dass wir irgendwann friedlicher zusammen leben können und die beiden begreifen, dass ich mittlerweile auf mich selber aufpassen kann. Sie sollten vielleicht mal mit Mut zusammen einen supergeilen Abenteuertrip erleben. Und waschen könnten sie sich auch mal.

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